Exotisch & alkoholfrei aus Polen (?)

Seit 15 Jahren fahre ich mit fünf Freunden einmal pro Jahr für ein verlängertes Wochenende mit der Eisenbahn. Angefangen mit Nachtzugfahrten sind wir nun aufgrund des jeweilig höheren Lebensalters tagsüber unterwegs. Von Ljubljana bis zum finnischen Polarkreis und von York bis Krakau haben wir schon viel von Europa gesehen. „Tour de Männers“ nennen wir es. Keine Ahnung, wie wir auf diesen bekloppten Namen gekommen sind

Für mich war es immer eine große Freude, dass ich auf jeder Fahrt fast immer mir unbekanntes Bier trinken konnte. Von lecker bis grausam war alles dabei. Ich kann mich noch erinnern, in England war ein Bier dabei, das wohl mit Kölnisch Wasser 4711 verlängert worden ist. Es roch so und trinkbar war es nicht. In diesem Februar stand meine erste Fahrt nach meinen Herzoperationen an und auch meine erste alkoholfreie Fahrt. Da ich mich auf meine Jungs verlassen kann, konnte ich mein Tempo gehen und wusste keine Belastung für die Jungs zu sein. Für mich war die Fahrt ins polnische Stettin die Belastungsprobe: wenn ich gut durchs Wochenende komme, war ich mir meiner Genesung sicher.

Polen ist nicht gerade das Land, das für seine alkoholfreien Getränke bekannt ist. In einem Internetforum habe ich von einem Mann gelesen, der nach der Möglichkeit gefragt hat in Polen alkoholfreies Bier zu kaufen. Eine vernünftige Antwort hat er nicht bekommen, war aber um einige Beschimpfungen reicher: Muttersöhnchen, Weichei, Schwuchtel, …

Ich habe mich darauf eingestellt, das Wochenende nur mit Wasser und Kaffee zu verbringen. In einem Lokal habe ich in der Karte bei den nichtalkoholischen Getränken ein Bier gesehen und dieses bestellt. Die Bedienung fragte mich: „Are you sure? This beer is without alcohol.“ Ich bin ja froh, wenn Klischees sich wiederholen. Die Frage, ob ich wirklich Bier ohne Alkohol trinken möchte, wurde ich tatsächlich öfter gefragt. Das alkoholfreie Bier, hauptsächlich von Lech, hat keine Schmerzen verursacht. Man konnte es trinken, es war ok.

In einem Restaurant in Stettin hat mir nach dem ersten alkoholfreien Bier die Bedienung ein Bier mit Minze und Limone angeboten. Ebenfalls alkoholfrei. Ich bin ja höflich, ließ mir nichts anmerken und war gespannt, was kommt. Aber ich dachte mir, das kann ja nichts werden. Schlechtes alkoholfreies Bier mit einer billigen Limonade und einem aufgelösten Hustenbonbon. Biermischgetränke waren noch nie so wirklich meins. Aber mit Minze? Soll das nun ein alkoholfreie Version eines Mojitos sein? Muss man den Hopfen so missbrauchen?

Es gibt Momente, da bin ich froh, dass ich nichts gesagt habe. Wie auch hier. Was für ein tolles Getränk. Es war zwar Februar, aber es war nicht nur lecker, es war auch erfrischend. Die Minze vom Lech Free Limonka z Miętą (<– ich wusste gar nicht, dass es diese Buchstaben gibt) war nicht aufdringlich und schmeckte nicht künstlich. Wirklich gelungen.

Leider hatte ich keine Möglichkeit mehr in Stettin einkaufen zu gehen. Am nächsten Tag sind wir zu unserer nächsten Station nach Potsdam gefahren und mussten recht zeitig los. Aber ich wusste ja, im Internet gibt es alles. Na gut, ich dachte es. Schlesische Wurst hätte ich bekommen können oder auch Wodka. Aber kein Lech Free Limonka z Miętą. Keine Chance. Warsteiner hat mit dem Summer Breeze ein solches Bier im Angebot. Aber alkoholisch. Schade.

Meinen Arbeitsplatz habe ich in Düsseldorf und mein Nachbarbüro bezeichne ich als „meinen Ostblock“. Meine geschätzten, langjährige Kolleginnen kommen aus Polen und der Sowjetunion. Seit einigen Wochen haben sie noch eine Kollegin aus Ostwestfalen aufgenommen. Ostblock passt 🙂 Meine polnische Kollegin Eva ist in die Heimat gefahren und ich bat sie in der Zeit nicht nur so an mich zu denken, sondern auch wenn sie einkaufen geht. Das tat sie und brachte mir zwei Flaschen Lech Free Limonka z Miętą mit (mehr gab es leider nicht in dem Geschäft).

Nun stehen die zwei Flaschen vor mir. Wunderbar gekühlt. Und die Kronkorken können aufgedreht werden. Toll, das mag ich. Es schmeckt so wie in Stettin. Nun möchte ich aber nicht warten bis meine Eva wieder nach Polen fährt. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Brauerei Lech exportiert ihr alkoholfreies Bier nach Deutschland (das gibt es auch noch in den Sorten Pomelo & Grapefruit sowie Granatapfel & keine Ahnung) oder die Strategen aus Warstein erweitern ihr alkoholfreies Angebot. Wenn beides nicht greift, sehe ich mich schon, dass ich künftig einen Beutel Pfefferminztee in einen Radler halten.

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2 replies »

  1. Tatsächlich fand ich in Polen an alkoholfreiem Bier nur deutsche Marken im Supermarkt. So dass wir, als wir zu einem deutschen Abend einluden, tatsächlich alkoholfreies Bier als „typisch deutsch“ auf den Tisch stellten.
    Was ich in Polen aber zu lieben lernte, waren diverse Limonaden und Fruchtseccos „z miętą” (mit Minze). Frische Minze in höchster Qualität waren immer und überall zu bekommen und oft diverse Sorten. Ich weine manchmal ein wenig, wenn ich frische Minze in deutschen Supermärkten suche für eine „lemoniada domowa” (hausgemachte Limonade). Eine weitere Empfehlung für wunderbare alkoholfreie Erfrischungen in polnischen Kneipen und Restaurants. Sieht oft aus wie ein Cocktail und schmeckt ganz wunderbar. Hachz, schwelge gerade in minzigen Erinnerungen nachdem ich Deinen Beitrag gelesen habe!

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