Vom Malzbier zum Malztrunk

Wenn meine Mutter sagte, sie müsse zum Aldi und sie nimmt ihren Bollerwagen mit, da wusste ich, ich müsse mitkommen, da kann ich etwas abstauben. Ihr Bollerwagen war ein Einkaufstrolley. Umgangssprachlich auch Hacken-Porsche genannt. Unsere Familie hatte kein Auto und die Einkäufe für sechs Personen waren recht groß. Wenn ich daran denke, dass meine Mutter alle Einkäufe fast ausschließlich alleine erledigte, finde ich es noch bemerkenswerter, was sie alles geleistet hat.

Meiner Mutter war es ganz recht, dass ich mitgekommen bin. Zum einen war es gut, wenn ich eine Tasche tragen konnte, aber es freute sie, dass ich so die Wohnung verlassen habe. In Mutters Bollerwagen war dann immer Platz für Kinderbier. Beim Aldi gab es Malzbier, das damals als Kinderbier bezeichnet worden ist, im 6er-Träger in Glasflaschen. Das war in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre. Da war noch nicht daran zu denken, dass Aldi mal bepfandete Gebinde im Sortiment hat. Da landete die ausgetrunkene Flasche im Hausmüll. Den Altglascontainer gab es auch erst viel später in unserer Nachbarschaft.

Kinderbier gab es selten und es war etwas besonderes. Vielleicht wurde ich schon damals durch den Hopfen im Kinderbier angefixt. Ich kannte auch nur das Malzbier vom Aldi. Getränkemärkte, wie wir sie heute haben, gab es da noch nicht. Wenn mein Vater mal ein Bier wollte, dann schickte er mich zur Bude und und ließ mich drei Flaschen Stauder oder DAB Export kaufen. Einen Kasten Bier hatten wir das erste Mal zuhause als einer meiner Brüder das erste Auto in unserer Familie hatte und so zum Plaza oder Divi fahren konnte. Ich erinnere mich gerne daran zurück.

Ein Malzbier war mein erstes alkoholisches Getränk. Irgendwann in den 1980er-Jahren habe ich mit meinen Eltern und meinem Bruder Onkel Erich in Löwenberg / DDR besucht. In dem kleinen Getränkemarkt, so in meinen Erinnerungen, habe ich Malzbier kaufen wollen. Es wird wohl ein Doppelkaramell gewesen sein. Ich weiß noch, dass mein Bruder das Bier probiert hatte und war sich sicher, dass dort Alkohol enthalten war.

Aber seit wann gibt es Malzbier? Malzbier wurde 1920 vom Wissenschaftler Fritz Lux und vom Braumeister Ferdinand Glaab erfunden und 1930 hat Glaabsbräu aus Seligenstadt / Hessen das erste Malzbier gebraut und nannte es Vitamalz. Es wurde als Gesundheitsbier verkauft. Ein Bier für Frauen, Kinder, Autofahrer und abstinent lebende Menschen. Vielleicht daher der Begriff Kinderbier.

1960 gab es den Süßbier-Krieg in Bayern. Die Einfuhr von Malzbier nach Bayern wurde untersagt, da dem Malzbier bei der Produktion Zucker zugefügt worden ist und es so gegen das Reinheitsgebot verstoßen hat. Erst nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass das Malzbier nur noch unter den Begriff Malztrunk in den Handel kommen darf. Für mich ist es spannend zu sehen, wie sehr sich seit 60 Jahren der Begriff Malzbier in unseren Köpfen gehalten hat.

Der Deutsche Brauerbund hat ein schönes Porträt zum Malzbier … äh … Malztrunk geschrieben.

Und wenn ich schon eine Internetseite empfehle, muss ich auch die Seite von zwei Strategen aus Bottrop nennen. Die Malzbiertrinker befassen sich ausschließlich mit Malztrunk 😉. Der Name ist Programm. Ich kratze das Thema hier nur an, Martin und Bernhard gehen da tiefer. Für die Recherche zu diesem Blog ist diese Seite für mich wichtig gewesen.

Der Markt ist mit Malzbier gut aufgestellt und ich habe mich mal durch einige Sorten probiert. Die Reihenfolge ist wahllos und und spiegelt keine Rangliste wieder.

Völlig egal, ob Traugott Simon, Paderborner oder Oettinger, drei Malztrunke aus dem Niedrigpreissegment, die man gut trinken kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist super. Karlskrone von Aldi ist nicht schlecht, nur bei mir ist der Malztrunk aufgrund der PET-Flasche durchgefallen. Wenn eine Glasflasche funktioniert, kann ich die Plastikflasche nicht nachvollziehen.

tut gut von meiner geschätzten Stauder-Brauerei aus Essen. So lecker deren alkoholhaltigen Getränke sind, mir ist es zu süß und die geringe Kohlensäure macht den Malztrunk nicht besser.

Flensburger Malz: Warum? Warum macht ihr das? Was habe ich mich auf das Malz gefreut. Ich war zwar verwundert, dass es kalorienarm ist, aber nach dem ersten Schluck hatte ich die Erklärung. Es schmeckt wie drei Süßstofftabletten, die man pur in seinem Mund zergehen lässt. Mit dem alkoholfreien Radler ist es ja ähnlich, dort ist man ebenfalls kalorienarm unterwegs.

Vitamalz: darüber habe ich schon ausführlich geschrieben.

Veltins erinnert mich an tut gut; sehr süß, wenig Eigengeschmack und wenig Kohlensäure. Schade.

Karamalz und Kandimalz standen immer im Schatten von Vitamalz. So meine Wahrnehmung. Ich empfand beide nicht sonderlich süß (was mich aufgrund des Namens beim Kandimalz gewundert hat).

Pinkus Honig-Malz: Honig auf Brötchen mochte ich noch nie, aber immer mehr erfreue ich mich, wenn Honig irgendwo Bestandteil ist. Hier passt es sehr.

Müllers Malz: Genau wie das Honig-Malz von Pinkus-Müller aus Münster. Der große Unterschied ist, dass das Müllers Malz nicht so süß ist. Den Hopfen schmeckt man wunderbar heraus.

Die Brauereien vom Riedenburger Dinkelmalz und vom Neumarkter Lammsbräu Aktivmalz sind mir wegen der guten Auswahl von alkoholfreien Bieren bekannt und beide Brauereien haben jeweils einen tollen Malztrunk produziert.

Alle vier Malztrunke habe ich aus Bio-Märkte und der Preis war entsprechend. Aber in meinen Augen gerechtfertigt.

Feldschlösschen hat drei Malzgetränke und zwei von denen habe ich verkostet. Das dritte Getränk „Malco“ ist ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit Gerstenmalz und Zitronengeschmack. Das hört sich mir zu abgedreht an und das habe ich bei mir in Wuppertal nicht zu kaufen bekommen.

Feldschlösschen Klassik ist ein sehr leckerer Malztrunk. Es ist nicht zu süß, der Hopfen und das Röstmalz kommen gut zur Geltung. Hier passt echt alles!

Beim Feldschlösschen Light bin ich nicht so euphorisch. Die künstlichen Süßstoffe dominieren genau wie beim Flensburger den Geschmack und ich kann dem nichts abgewinnen. Aber zur Ehrenrettung der kalorienreduzierten Malzbiere muss ich beipflichten, dass die Feldschlösschen-Brauerei förderndes Mitglied im Deutschen Diabetiker-Bund ist. Es ist nicht mein Geschmack, aber wenn ich Diabetiker wäre, würde ich es vielleicht auch anders sehen.

Eine Sache verstehe ich aber nicht. Auf der Banderole am Flaschenhals steht bei beiden Bieren, sie seien international bestprämiert worden bei der Weltbierauswahl in Luxemburg. Ich habe nach dieser Weltbierauswahl gesucht und habe nichts dazu gefunden.

Der Markt ist groß und vielseitig. Und auch schwer zu überblicken. Zwischenzeitlich habe ich von der Kölsch-Brauerei Sünner das Malz getrunken (ich fand es ordentlich), jedoch musste ich mal ein Punkt setzen. Und wer sich ausführlich über Malzbier und den Nachfolgern informieren möchte, dem kann ich, wie bereits gesagt, den Blog der Malzbiertrinker empfehlen.

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