ClimAid: Sei klimaaktiv – jetzt mit noch mehr heimischen Früchten

Wir reden viel über den Klimaschutz, erleben aber selten, dass man aktiv wird. Wenn Jugendlich freitags auf die Straße gehen, da werden alle Jugendliche in Sippenhaft genommen, wenn eine Handvoll derer im Park feiert und den Unrat liegen lässt. Und der Ärger ist groß, wenn eine Politikerin fordert innerdeutsche Flüge zu verteuern (zum Beispiel Hannover – Frankfurt oder Düsseldorf – Berlin) und die Bahn attraktiver gestalten möchte Da lobe ich mir zwei Männer aus Haan im Rheinland. Haan? Eine Kleinstadt genau in der Mitte zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Für mich quasi in der Nachbarschaft. Die Heimatstadt von Nicole Struse, die mehrfache Europameisterin im Tischtennis.

Stephan und Max (wir kennen uns nicht, aber ich fand lediglich die Vornamen der beiden), die hinter ClimAid stecken, sind zwei Schulfreunde und arbeiten bei der Haaner Felsenquelle. Hier im Bergischen Land ist die Haaner Felsenquelle der regionale Wasser- und Limonadenlieferant des Vertrauens. Deren Slogan heißt nicht umsonst „Aus der Region, für die Region.“

Getränke- und Klimaenthusiasmus

Die beiden Angestellten der Felsenquelle haben ein Faible für Getränke. Da kann ich sie sehr gut verstehen, ich bin ja nicht anders. Manchmal werde ich schon komisch angeguckt, wenn zuhause die „Getränkezeitung“ im Wohnzimmer liegt. Aber Max und Stephan hatten die Idee eigene Getränke mit einem kleinen CO2-Fußabdruck in den Handel zu bringen. Das ist eigentlich schon das Fundament für ClimAid. Unter diesem Namen verkaufen die beiden ihre sechs Getränke.

Drei Punkte sind den beiden wichtig:

  • kurze Transportwege: die Getränke werden in einem Radius von maximal 100 km ausgeliefert.
  • klimaneutral: in Haan wurden Vorkehrungen getroffen so klimaneutral wie möglich abzufüllen. Emissionsfrei geht das nicht, aber durch ein Waldprojekt in Sambia kompensiert. Eine moderne Form des Ablasshandels. Was aber nicht schlecht sein muss.
  • Klimaschutz sollte vor unserer Haustür: in dem mittlerweile bekannten Radius von 100 km werden Klimaschutzprojekte unterstützt. Finanziert wird das mit 1.- Euro pro verkauften Kasten. Aktuell wird ein Stück Wald in Hagen aufgeforstet.

Produkte

ClimAid hat sechs Getränke im Angebot: zweimal Mineralwasser (laut und leise) und vier Limonaden (Mandarine, Pink Grapefruit, Rhabarber und Zitrone). Pink Grapefruit und Zitrone sind meine Highlights.

Die Wasser sind von den Inhaltsstoffen her identisch mit der Haaner Felsenquelle Klassisch und Medium. Nur Medium ist bei ClimAid richtig still. Hier muss man für sich selbst entscheiden, ob einem die Klimaneutralität der Preisunterschied wert ist.

Die Limonaden sind einzigartig und erinnern mich an Fritz aus Hamburg und Proviant aus Berlin. Aber die Limonaden haben ein Alleinstellungsmerkmal, sie gibt es nur regional zu kaufen. Das ist ein tolles Zeichen, wenn man bedenkt, dass jetzt global alles erhältlich ist. Die Welt wird zwar gerne als Dorf bezeichnet, aber bei Handel und Transport von Lebensmitteln sollten wir uns als Großstadt sehen und uns in unserem Stadtteil bewegen.

Ich gehe den Menschen mit meinem Spleen für das Pfandsystem sicher auf die Nerven, aber Max und Stephan haben alles richtig gemacht: ausschließlich neutrale klare 0,33er Pfandflaschen in neutralen Kästen. Die können von jedem anderen Getränkeproduzenten genutzt werden. Nicht so wie bei deren Arbeitgeber, die für die Gastro blaue Glasflaschen anbieten. Weitaus Inkonsequenter finde ich da noch Fritz. Ebenfalls für die Gastro haben sie Individualflaschen eingeführt. Besonders bei einem bundesweit tätigem Unternehmen finde ich das fahrlässig. Außer man hat unterschiedliche Abfüllstandorte.

Abfüllung. Ein Stichwort. Und hier kommt der Arbeitgeber ins Spiel. Die Haaner Felsenquelle steht ClimAid als Dienstleister für Produktion, Abfüllung und Logistik zur Verfügung. Und mit Blick auf den CO2-Fußabdruck sind sie beim richtigen Dienstleister gelandet. Die Produktionsstätte gilt als „Niedrig-Energie-Haius“ mit eigener Photovoltaikanlage.

Fazit

Zwei Fragen habe ich:

  1. Grapefruits, Mandarinen und Zitronen sind nicht unbedingt heimische Früchte. Wie ist das mit einem CO2-Fußabdruck vereinbar? Wäre es nicht effektiver auf heimische Früchte zu setzen?
  2. Die Haaner Felsenquelle füllt ihr Wasser in 1 l-Glasflaschen, die dann in 6er-Kästen verkauft werden? Mineralwasser in 0,33er-Flaschen finde ich überflüssig. Sind hier vielleicht andere Flaschengrößen angedacht?

Ich finde das Projekt spannend und es regt an über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Im Büro habe ich Mineralwasser von „Viva Con Agua“. Die Idee dahinter ist stark. Wasser verkaufen und mit dem Gewinn Brunnen bauen. Leider wird das Wasser in Husum abgefüllt. Sorry, aber die kommen auf die Streichliste. Demnächst bin ich an der Nordsee, da kaufe ich es wieder gerne. Ähnlich ist es mit dem alkoholfreiem Bier. Ich bin auf der Suche, immer nach neuen Sorten und ich bin auch neugierig, wie in anderen Ländern der alkoholfreie Biermarkt ausschaut. Von meinen Eltern kennen ich noch den Spruch „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“ In Bochum, 40 km von meinem Zuhause entfernt, hat die Brauerei Moritz Fiege ihren Sitz und deren alkoholfreies Pils ist top.

Update 07. September 2021: Nachdem ich diesen Artikel online gestellt habe, hat mir Max von ClimAid direkt geantwortet. Das finde ich schon toll! Da hat mir Max berichtet, dass sie an einer naturtrüben Apfelsaftschorle schrauben. Gestern war ich einkaufen und ich freute mich beim Akzenta in Wuppertal-Vohwinkel eine neue Sorte von ClimAid zu sehen: Apfel von heimischen Streuobstwiesen. Sehr sympathisch finde ich, wenn die Ernte aufgebraucht ist, muss man bis zur nächsten Ernte warten.

Drei Dinge sind mir aufgefallen:

  1. Der Geschmack ist fein säuerlich-erfrischend.
  2. Der Fruchtanteil beträgt 60 %. Das ist nicht üblich. Andere Hersteller haben einen Fruchtanteil von maximal 55 %. Nur die Apfelschorle von Fritz hat 66 % Apfelsaftanteil.
  3. Die Zutatenliste ist sehr überschaubar: Apfelsaft, Wasser & Kohlensäure. Wenn man sich die Rückenetiketten anderer Apfelschorlen anschaut, findet man Apfelaroma, manchmal sogar natürlich, sonst nicht ausgewiesen. Aber Zitronensaftkonzentrat findet man auch immer öfter.

Eine Anregung habe ich: In Österreich habe ich eine Schorle mit einem Rhabarber-Birnen-Saft von Pago getrunken. Den bekomme ich hier nicht. Ein Abnehmer wäre euch sicher 😉

ClimAid: Sei klimaaktiv – jetzt mit noch mehr heimischen Früchten
Markiert in:                                                                                             

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.