Moritz Fiege – Heimat, Generationen, Mehrweg & Bierpreis

Bier aus der Heimat – bevor ich ausschließlich alkoholfrei getrunken habe, war ich immer von Stauder und Fiege angetan. Alkoholfrei aber nur noch Fiege. Stauder kann alkoholfrei leider nicht überzeugen, aber das ist hier nicht das Thema. Fiege kann das Pilsener und den Radler alkoholfrei anbieten. Kurz zum Radler: Meins ist es nicht, die Ersatzsüße der kalorienreduzierten Limonade ist im Geschmack zu dominant.

Durch einen Zufall habe ich gesehen, dass die Westdeutsche Allgemeine Zeitung einen Podcast in der Reihe, „Die Wirtschaftsreporter“ veröffentlicht hat und hatte dort Carla und Hubertus Fiege zu Gast. Die beiden, Cousin und Cousine, leiten seit kurzem die Moritz Fiege-Brauerei in Bochum und haben somit ihre Väter beerbt. Der Podcast war so spannend, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass ich knapp 40 Minuten auf dem Laufband verbracht hatte. Den Podcast findet ihr bei den üblichen Portalen. Exemplarisch habe ich hier diesen Link.

Ich freue mich zu hören, dass die Brauerei weiterhin in Familienbesitz bleibt. Ähnlich wie die Privatbrauerei Jacob Stauder in Essen wird nun auch Moritz Fiege von Cousin und Cousine geführt und es hat einen sanften Übergang gegeben. Ihre Väter Hugo und Jürgen Fiege, die Brüder sind, haben sich langsam aus dem Geschäft heraus gezogen und den beiden nach und nach die Führung überlassen.

Hubertus Fiege hat am Anfang des Podcasts etwas für mich sehr wichtiges gesagt: Bei Moritz Fiege sind die Biere alle hopfenbetont. Der volle Geschmack des Hopfens ist enthalten. Und das kann ich gut bestätigen, denn selbst das alkoholfreie Pilsener ist sehr hopfig. Das ist für ein alkoholfreies Bier, keine Selbstverständlichkeit, aber die Bochumer haben das sehr gut hinbekommen.

Was kostet ein Kasten Bier?

Für mich ist es unbegreiflich, dass der Preis für einen Kasten Bier im Angebot sich seit knapp 30 Jahren nicht verändert hat. Gab es zur Zeit der Deutschen Mark einen Kasten Bier im Angebot für 20.- DM sind es nun 10.- Euro. Unbeachtet von Lohnsteigerungen, gestiegene Preise für Rohrstoffe und Energie sowie Inflation. Ich finde gut, dass die Brauerei Moritz Fiege sehr deutlich sagt, dass sie diesen Markt gar nicht bedienen möchten und machten auch deutlich, warum deren Bier teurer ist. So braucht ein Industrie Bier in der Fertigung. Etwa sieben Tage und die Bochumer lassen ihr Bier alleine schon 30 Tage bei 0 °C lagern. So haben sie sich das Siegel fürs Slow Brewing verdient. Qualität hat nicht nur seinen Preis, Qualität braucht auch Zeit. Aber wir können uns darauf einstellen, dass der Preis fürs Bier in der nächsten Zeit steigen wird. Nicht nur die Rohstoffe sind teurer geworden, auch der Energieeinsatz ist wirklich immens.

Mehrweg

Mein Herzensthema ist das deutsche Pfandsystem. Das haben auch Frau und Herr Fiege angesprochen und sie beklagen völlig zu Recht, dass sie Auswüchse immer mehr zugenommen haben,. Das bedeutet, es gibt immer noch viele Brauereien, die individualisierte Bierflaschen befüllen. Das sind Bierflaschen, die den Namen der Brauerei ins Glas als Relief gedruckt haben.

Wo ist das Problem? Das System funktioniert folgendermaßen: ich kaufe eine Flasche Bier der Brauerei A, trinken diese aus und bringe sie zum Getränkemarkt zurück. Anschließend wird die leere Flasche gereinigt und sortiert und beglückt eine Brauerei aus der Gegend. Da die Vielzahl an Bieren, die man im Getränkemarkt kaufen kann, immer größer wird, kommt es oft vor, dass man in Hamburg ein Bier aus Nürnberg kaufen kann. Der Irrsinn wäre, wenn die leere Flasche zurück nach Nürnberg transportiert werden muss. Was für ein Irrsinn. Diesen Irrsinn gibt es aber. Und zwar dann, wenn die Brauerei aus Nürnberg (ich bleibe bei dem Beispiel) den Namen ihrer Brauerei in die Flasche gedruckt hat. Denn eine Brauerei aus Hamburg oder dem Umland kann natürlich nicht ihr Bier in eine Flasche abfüllen, die den Aufdruck einer anderen Brauerei hat. So kommt es vor, dass Speditionen ganze Sattelschlepper voll mit leeren Bierflaschen durch die Republik fahren.

Experten schätzen, dass es in Deutschland 120 verschiedene Formen von Pfandflaschen gibt. Unterschiedliche Füllmengen, mit einem Bügel- oder Drehverschluss oder mit Kronkorken, in unterschiedlichen Farben, und die wildesten Formen. Am ehesten würde es Sinn machen, wenn man sich auf zwei Flaschenformen einigen würde. Eine mit 0,5 l und die andere mit 0,33 l. Ich bin zwar selber ein großer Freund der Flaschen mit dem Bügelverschluss, aber ich würde hier tatsächlich einzig und allein auf den Verschluss mit den Kronkorken setzen. Und dass die Brauerei Fiege Kronenkorken kann, haben sie damals mit dem Pilsbock bewiesen.

Das Pfandsystem muss überarbeitet werden. Die Preise sind seit einer Ewigkeit nicht angepasst worden und spiegeln nicht den Preis für eine eventuelle Neuanschaffung wider. Und es sind nicht nur die Flaschen an die denken müssen, es sind auch die Kästen denen man Beachtung schenken muss. Es gibt Möglichkeiten, dass man brauereiübergreifend die gleichen Kästen verwendet und dennoch diese individualisieren kann. Interessierte Brauereien können sich gerne an mich wenden 😉

Und in einem vereinten Europa ist es keine Option auf ein nationales System zu setzen. In vielen Ländern im europäischen Wirtschaftsraum gibt es ein Pfandysystem. Es muss doch die Chance geben das alles zu vereinheitlichen.

Habe ich einen Wunsch frei?

Ich mag Moritz Fiege sehr. Einer der Gründe ist, dass ich es klasse fand, dass Fiege nach der Schließung der Schwelmer Brauerei angefangen hat ein Bernsteinbier zu brauen. Und genau das würde ich gerne alkoholfrei trinken. Das vermisse ich.

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