Radeberger traut sich was!

Wenn ich in einem Restaurant gewesen bin oder eine Fete besucht habe, habe ich mich immer gefreut, wenn es mal ein Radeberger gegeben hat und nicht die sonst üblichen Verdächtigen aus der Eifel, dem Sauer- oder Siegerland. Mit der Zeit war ich immer weniger begeistert Industriebier zu trinken, Radeberger gehörte aber weiterhin zu meinen Favoriten. 

Radeberger und die Ökologie

Übel habe ich aber Radeberger immer genommen, dass sie diese goldene Aluhaube auf der Flasche haben. Ökologie und Klimaschutz haben mehr an Bedeutung gewonnen. Die Akzeptanz solcher Produktverschönerungen ist hingegen gesunken. 

Das Radeberger Pilsener habe ich aber sehr selten gekauft und das aus anderen ökologischen Gründen. Bei mir ist kein Bier ins Haus gekommen, das in einer auf die Brauerei produzierten Bierflasche abgefüllt worden ist. Warum? Erläuterung: Radeberg ist von meinem Zuhause knapp 600 km entfernt. Bestimmt sind es mehr Kilometer, da das Bier von der Brauerei zum Getränkefachgroßhändler gefahren wir und dann zu meinem Getränkemarkt. Entweder direkt oder über eine Verteilstelle des Händlers, wenn es eine Kette ist. Wenn ich das Bier ausgetrunken habe, geht die leere Flasche den gleichen Weg wieder zurück. 

Wenn die Brauerei nun Standardmehrwegflaschen verwendet, geht die ausgetrunkene Flasche vom Getränkehändler zum Getränkefachgroßhändler und verbleibt dann in der Region.

Mein persönlicher Bezug zu Radeberger

Dennoch ist das Radeberger Pilsener für mich ein wichtiges Bier. Mein letztes alkoholhaltiges Bier habe ich am 03. November 2018 im Restaurant Brusco in Haan getrunken. Es hat mir da schon nicht mehr geschmeckt, aber das lag deutlich an meiner Erkrankung, wegen der ich drei Tage später ins Krankenhaus gekommen bin.

Nun trinke ich ausschließlich alkoholfreies Bier (wenn ich Bier trinke) und ich habe mich gewundert, dass ich von der Radeberger Brauerei bisher kein alkoholfreies Bier gefunden habe. Die Radeberger-Gruppe hat zwar diverse alkoholfreie Biere unter ihrem Dach. Der Namensgeber dieser Gruppe aber nicht. 

Radeberger traut sich alkoholfreies Bier zu.

Vorletzte Woche habe ich die Radeberger Brauerei angeschrieben und fragte, ob ein alkoholfreies Bier in Planung sei. Sehr schnell bekam ich die Antwort, dass man mir gerne vor der offiziellen Einführung ein Probepaket zukommen lassen möchte. Ich war überrascht. Vor drei Tagen habe ich die neue Ausgabe der Getränke-Zeitung erhalten und dort ist angekündigt, dass ab Januar 2022 das alkoholfreie Radeberger eingeführt wird. Bei dieser Trefferquote sollte ich mein Lottospiel intensivieren.

Eine Woche später kam das Paket aus Radeberg bei mir an und ich freute mich über das große Paket. Beim Gewicht war ich aber skeptisch und nachdem ich es geöffnet hatte, war ich sogar verwundert. In dem Karton, in dem 24 Flaschen Platz finden, wirkten die zwei Flaschen recht verloren.

Als erstes fällt mir bei der Flasche auf, dass es eine Standardmehrwegflasche ist (ganz ohne Relief-Druck), aber auf die Alumütze wurde nicht verzichtet. Dafür ist diese nun blau. Echt jetzt? Liebe Radeberger, habt ihr euch so sehr auf euer Bier konzentriert, dass ihr die Klimadiskussionen nicht mitbekommen habt? Ich durfte übrigens etwas blaue Alufolie aus meinem Bierglas fischen, das sich beim einschütten gelöst hatte.

Aber jetzt mal zum wesentlichen: Das alkoholfreie Radeberger ist nicht das alkoholische Radeberger, dem man „einfach“ den Alkohol entzogen hat. Der kleine alkoholfreie Bruder hat einen eigenen Sud bekommen, den man mit einer höheren Stammwürze eingebraut hat, der regulär vergoren worden ist. Dieses Brauerzeugnis wurde erst nach einer Lagerzeit entalkoholisiert. Mich fasziniert, dass ich keine Restsüße schmecke. Also genau das, woran für mich viele Biere scheitern und was auch eine große Krankheit der großen Brauereien ist. Das haben die Brauer aus Sachsen sehr gut hinbekommen. Ein vollmundiger, herber Pilsgeschmack. Das mag ich. In dem Verkostungsvideo (siehe unten) heißt es, man könne die Zitrusnote des Calista-Hopfens herausschmecken. Das kann ich nun nicht behaupten, aber für ein alkoholfreies Bier ist das hier eine gute Hopfenbombe. Chapeau! Das Bier macht Spaß, davon möchte ich mehr.

https://www.radeberger.de/medien-fuer-inhalte/radeberger/filme/alkoholfrei/radeberger-2021-verkostung-alkoholfrei-kunden-hd-insert-1.mp4
Verkostungsvideo

Auf dem Titelbild ist zu erkennen, dass die jede Flasche in einem Musterkarton verpackt worden ist. Man kann sich vorstellen, wie man das alkoholfreie Radeberger dem Kunden schmackhaft machen möchte und wie die Werbeaktivitäten ausschauen. Auf dem Karton sind viele Infos abgedruckt und ein QR-Code zum Verkostungsvideo. Das Video lohnt es sich anzusehen. Neben den Informationen zum Bier merkt man auch, wie wichtig Radeberger das alkoholfreie Bier ist. Die Brauerei wurde erweitert und der Calista-Hopfen wird extra für das alkoholfreie Pils quasi vor der Haustür angebaut.

Ein alkoholfreies Pils wird gerne unterschätzt, aber ein Pilsener ist die Königsdisziplin unter den alkoholfreien Bieren. Wenn die Brauerei es jetzt noch schafft sich von der Alumanschette zu trennen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man das alkoholfreie Radeberger auf einer Fridays for Future-Demo findet.

Das Video hat wieder die Lust geweckt, die Produktion von einem alkoholfreien Bier mir anzusehen.

Radeberger traut sich was!
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