„Der Rausch“ – oder der Alkohol in der Öffentlichkeit

Dry January. Es geht wieder los. Es gibt viele Menschen, die in diesem Monat bewusst auf Alkohol verzichten. Man kann jetzt fragen, was das überhaupt bringen soll. Zum einen freut sich die Leber nach all den Feierlichkeiten im Dezember über eine Pause. Aber so ein alkoholfreier Monat dient auch der Selbstreflexion.

Der WDR5 hat am 29. Dezember 2023 über den Dry January berichtet (siehe auch unten) und machte eine Straßenumfrage, ob sich die zufällig ausgewählten Menschen am Dry January beteiligen würden. Die ersten beiden Befragten fand ich beachtlich:

  • „Ne, das geht nicht. Ich gehe zum Fußball und da gehört das Bier dazu.“
  • „Ich kann nicht auf den Alkohol verzichten. Direkt am ersten Samstag im Januar treffe ich mich mit meinen Mädels und das läuft nicht alkoholfrei.“

Die dann folgenden Beiträge haben es dann wieder relativiert, aber irgendwie passend war dann „Der Rausch“, an den ich denken musste.

Der Rausch

Am Silvesternachmittag habe ich mir den dänischen Film „Der Rausch“ angesehen. In der Mediathek von der ARD kann man ihn zur Zeit streamen. Ich mag dänische Filme und Mads Mikkelsen ist ein großartiger Schauspieler.

Vier Lehrer an einer Schule in Kopenhagen lernen die These des norwegischen Psychiaters Finn Skåderud kennen, dass der Mensch mit einem 0,5 Promille zu geringen Alkoholspiegel auf die Welt gekommen ist. Der Mensch könne so ein besseres Leben im Sinne von gesteigerter sozialer und geistiger Leistungsfähigkeit führen. Die vier Männer gehen in den Selbstversuch. Nur der Selbstversuch gerät außer Kontrolle und es kommt gar zu einem Todesfall.

Wird Alkohol verherrlicht?

An dem Punkt hätte ich mir gewünscht, es würde ein Umdenken geben, aber es wird weiter gesoffen. Gesoffen? Ja, denn der dänische Originaltitel heißt „Druk“ und heißt übersetzt „Saufen““. Zu guter Letzt ist der Film trotz der Gefahren eine Verherrlichung des Alkohols. Jedoch ist es wieder ein guter dänischer Film mit einen brillanten Mads Mikkelsen in der Hauptrolle.

Am Freitag, 29. Dezember 2023, hat der WDR 5 über den hohen Alkoholkonsum in Deutschland und dem Dry January berichtet und die Neue Zürcher Zeitung veröffentlichte einen Kommentar über die Gefahren des Alkohols.

Die Weltgesundheitsorganisation hat noch vor einigen Jahren davon gesprochen, dass ein Alkoholgenuss in Maßen unbedenklich ist. Nun heißt es, dass es keine unbedenkliche Menge beim Alkoholkonsum gibt:

Mit steigendem Alkoholkonsum erhöht sich das Krebsrisiko erheblich. Doch die neuesten verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Hälfte der dem Alkohol zurechenbaren Krebsfälle in der Europäischen Region der WHO durch „leichten“ bis „moderaten“ Alkoholkonsum – weniger als 1,5 Liter Wein oder weniger als 3,5 Liter Bier oder weniger als 450 Milliliter Spirituosen pro Woche – verursacht werden. Dieses Trinkverhalten ist für einen Großteil aller alkoholbedingten Fälle von Brustkrebs bei Frauen verantwortlich, wobei die höchste Prävalenz in den Ländern der Europäischen Union festzustellen ist. In den EU-Staaten ist Krebs die führende Todesursache – mit einer ständig steigenden Inzidenzrate –, und die Mehrheit aller alkoholbedingten Todesfälle ist auf verschiedene Krebsarten zurückzuführen.

Weltgesundheitsorganisation

Der Anteil der Jugendlichen, die keinen Alkohol konsumieren, wird immer größer. Trotz der gesetzlichen Anreize durch das Jugendschutzgesetz. Großzügig sind die Alkohol-Regeln beim Jugendschutz: 

  • Kinder bis 13 Jahre dürfen in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken.
  • Jugendliche ab 14 Jahren dürfen öffentlich trinken, wenn Eltern dabei sind, aber nur Bier, Wein, Sekt und Mischgetränke.
  • 16- und 17-Jährige dürfen das auch ohne Eltern und die oben genannten Getränke zudem selbst kaufen.
  • 18-Jährige dürfen jeden Alkohol kaufen und öffentlich trinken.

Was möchte ich sagen?

Alkohol ist gefährlich. Schon kleinste Mengen. Die Politik hat sich in den letzten Jahren wenig dafür interessiert. Die Drogenbeauftragten der Bundesregierung kamen bis 2021 vermehrt von der CSU und Alkoholismus wurde nicht behandelt. Seit der letzten Bundestagswahl wird das Amt von der SPD bekleidet und es kommt etwas Bewegung rein. Es gibt Überlegungen, dass der Verkauf erst ab 18 Jahren möglich ist.

https://bierprediger.com/wp-content/uploads/2024/01/wdr5morgenechointerview_2023-12-29_hoheralkoholkonsumvielzulangeweggeguckt_wdr5.mp3
Suchtforscher Heino Stöver kritisiert, dass der hohe Konsum „politisch nicht adäquat bearbeitet“ worden sei. Lobbyisten hätten zu großen Einfluss. Interview im WDR5-Morgenecho vom 29. Dezember 2023.

Irland ist da schon einen Schritt weiter. Dort ist geplant ab 2026 analog zu den Tabakprodukten Warnhinweise auf den Flaschen zu versehen.. Die Europäische Union ist von dem Vorhaben weniger begeistert, denn sie ist nicht abgesprochen.

Der Alkoholkonsum in Deutschland ist in meinen Augen erschreckend hoch. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland auf dem zweiten Platz mit 12,2 l reinen Alkohol pro Einwohner im Jahr. Der weltweite Durchschnitt liegt bei ca. 5,6 l pro Einwohner im Jahr.

Der Alkoholkonsum geht jedoch zurück. Man muss aber auch erwähnen, dass der Konsum von Cannabis steigend ist.

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Alkohol ist ein Zellgift. Es schädigt und tötet Zellen. Alkohol greift unsere Organe an, kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Leberschäden und zig andere Erkrankungen zur Folge haben – und er verursacht Krebs.. Und das ist nicht von der konsumierten Menge und der Art des Getränks abhängig.

Neben den gesundheitlichen Gefahren gibt es auch die sozialen Risiken. Der eine oder andere hat vielleicht mal eine WhatsApp geschrieben oder empfangen, dessen Inhalt der Absender am Folgetag bereut hat.

Ich gebe zu, freiwillig hätte ich auf den Konsum vom Alkohol nicht verzichtet, aber jetzt nach fünf Jahren sage ich bewusst, dass die Abstinenz mir gut tut.

Warum trinkst du nicht?

Aber, und das habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, nervt es mich immer wieder, dass ich gefragt werde, warum ich nicht trinke. Diesem Thema hat sich der WDR in einer wunderbaren Online-Reportage angenommen und berichtet vom Druck, sich ständig fürs Nicht-Trinken rechtfertigen zu müssen.